Die Bedeutung der Live-Berichterstattung im deutschen Spitzensport – theoretisch-empirische Analyse von Sportjournalisten

  • Jana Wiske Hochschule Ansbach
Schlagworte: Sportjournalismus, Live-Berichterstattung, Sportjournalist

Abstract

Die Bedeutung der Live-Berichterstattung im deutschen Spitzensport – theoretisch-empirische Analyse von Sportjournalisten

Die aktuelle Untersuchung aus dem Jahr 2015 analysiert die Relevanz der Sportjournalisten, die in der Live-Berichterstattung tätig sind, und das Selbstverständnis der Berufsgruppe in Bezug auf die Direktübertragung. Die repräsentative Studie mit 1006 Teilnehmern berücksichtigt dabei die historischen Erkenntnisse vorangegangener Studien etwa von Görner (1995)Schaffrath (2002) sowie Horky und Kamp (2012).

Aktuell arbeiten 69 Prozent der Sportjournalisten in der Live-Berichterstattung, lediglich ein knappes Drittel (31 %) übermittelt die Sportnachrichten nicht in Echtzeit an den Konsumenten. Je jünger die Altersgruppe, desto mehr Stunden werden live gearbeitet. Gerade gegenüber den Sportjournalisten in der TV-Live-Berichterstattung ist eine kritische Sichtweise durch die restlichen Gruppenmitglieder erkennbar. Die Mehrzahl der Befragten attestiert den TV-Kollegen in der Live-Berichterstattung den größten Einfluss auf Veröffentlichungen. In der Hierarchie der Live-Medien hat sich Online bereits hinter dem Fernsehen, aber vor dem Radio auf Platz zwei eingeordnet. Bei der Erwartungshaltung an die Qualität der Berichterstattung belegt die Online-Direktübertragung den letzten Platz. Je mehr live gearbeitet wird, desto positiver werden die Zukunftschancen innerhalb der Gruppe der Sportjournalisten eingeschätzt. Und je mehr live gearbeitet wird, desto positiver ist das Selbstbild über den eigenen Beruf.

Die Ergebnisse bekräftigen eine Sonderstellung der Sportjournalisten aus der Direktübertragung innerhalb der Berufsgruppe und verlangen eine aktuellere Einordnung der Sportjournalisten in Deutschland unter besonderer Berücksichtigung der Stellung der Live-Berichterstatter. Das Image-Modell deutscher Sportjournalisten im crossmedialen Zeitalter liefert eine neue Rangfolge.

 

The significance of live-coverage of the German elite sports – a theoretical and empirical analysis by sports journalists

The recent study in 2015 analyses the relevance of sports journalists working in live-coverage and the self-perception of this occupational group concerning live-broadcasting. The representative study, including 1006 participants, takes the historic discoveries of preceding studies, e.g. by Görner (1995), Schaffrath (2002) as well as by Horky and Kamp (2012), into account.

Currently 69 percent of sports journalists work in live-coverage, barley a third (31 %) don’t broadcast sports news in real-time. The younger the age group, the more hours are worked live.

Especially sports journalists broadcasting live on TV are noticeable considered to be crucial by their sports journalism colleagues. The majority thought the journalists on TV to have the biggest impact on publications. In the hierarchy of live media, online already comes second after TV, but before the radio. In the ranking for expectations of the quality of the news online-coverage comes last.

The group of sports journalists predicts more favourable odds for the future, and has a more positive self-perception, the more work is done live.

The results underline the special status of sports journalists working in live-coverage. Therefore, a relevant grading of sports journalism in Germany needs to carefully consider the position of those journalists working live. The Image-Model of German sports journalists in the cross-media age shows a new ranking.

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Veröffentlicht
2019-03-05
Rubrik
Forschungsberichte